Ich habe eine etwas irritierende Begegnung mit einem weiblichen Millenial. Irritierend, weil das Millenial sein Millenialsein zur Selbstbeschreibung und Gesprächseröffnung benutzt. So vielsagend nennt sich das Millenial ein Millenial, dass ich mich an Menschen erinnert fühle, die von sich als Schütze oder Wassermann sprechen, so als sei damit klar, welche Haltungen, Charaktereigenschaften, Befindlichkeiten und Lebensentscheidungen ihnen zuzuschreiben sind.
Gesetzt ist damit jedenfalls gleich zu Beginn der Begegnung, dass ich kein Millenial bin, sondern etwas zum Millenial sehr Differentes – in den Augen des Millenials also wahrscheinlich ein Boomer. GenX? Für ein Millenial nichts anderes als ein hilflos protestierender Boomer.
Ich staune. Wie kommt man dazu, mit einer derart bannerartigen Abgrenzung ein Gespräch zu eröffnen. Ich gebe zu, dass eine Generation popkulturell viel teilt, dass die Prägung durch eine gemeinsame Zeitgenossenschaft sicher nicht spurlos an einem vorüber geht, aber ein derart unhinterfragtes Vertrauen in die vom Feuilleton ausgerufene Generationsbeschreibung macht mich doch misstrauisch. Die Einteilung ist derart breit angelegt, dass sie bei Licht betrachtet alles an Überschneidungen und inneren soziologischen und politischen Abgrenzungen der behaupteten Gruppe ignoriert, und die Begriffe am Ende vor allem zu schunkeliger Gemeinsamkeit, Differenzbetonung, und Überheblichkeit führen. Extra obendrauf setzt das Millenial sein Millenialsein auch noch völlig ungebrochen und lautstark zur – selbstverständlich kapitalismuskritischen – Selbstmonetarisierung ein, what the fuck? Aber da sind sie ja gut drin, die Millenials.
Mir gehts nach dem Gespräch jedenfalls schlechter als vorher. Dabei war der Zoom-Call ganz offiziell als orientierender Pep-Talk gedacht. Ich fühle mich schwach, dumm, abgehängt und das Schlimmste: unfeministisch.