Weihnachten wieder mal allein.
Ich finds beeindruckend gemein.
Weihnachten wieder mal allein.
Ich finds beeindruckend gemein.
verbraucht.
Alles was
schon immer zweifelhaft charmant war,
heruntergekommen. Elend gar.
Menschen, die man kennt, Menschen, die man ignoriert. Hier hat sich einer umgebracht und dort, hier hat der gewohnt und dort. Wenn der kommt, komm ich nicht, wenn ich die einlade, kann ich den nicht einladen.
Wie erst muss es sein, wenn man tindert oder grindert oder eine der, wie der Tagesspiegel nicht müde wird zu berichten, ständig stattfindenden Sex-Partys besucht, sich durch die Menschen der Stadt gepflügt hat
wie durch Ackerland.
Bye bye, Berlin
wohin haben sie uns nicht verraten.
Der Abschied bleibt. Die Frage
offen
Ich gehe zu einer Veranstaltung mit Dorothee Ellmiger. Ich bin Fan, irgendwie. Das hab ich selten. Sehr selten. Der Saal ist fast voll, als ich ankomme. Ich finde nur noch einen Platz, von dem aus ich sie nicht sehen werde. Nur manchmal verschiebt sich die Menge so vor mir oder bewegt sie sich auf dem Podium für einen Moment so, dass ich einen Eindruck von ihrem ebenmäßigen Gesicht bekomme und ihren immer wie gebläht wirkenden Nasenflügeln. Meine Vorstellung fliegt zu ihr.
In meiner Tasche liegt das Buch, das sie geschrieben hat, oben und an der Seite gucken kleine Post-its raus, die ich mit Notizen versehen habe. Ein Gütesiegel. Das Buch sieht aus wie ein Aktenschrank. Man kann mit den Fingern hineinfahren, an den Stellen wo die Post-ist sind, und sich angucken, was ich merkenswert fand. Ich habe mir vorgestellt, dass ich mich nach der Lesung in die Schlange zum Signieren stellen und ihr das Buch hinlegen werde. Ich werde mich dafür bedanken und sagen, dass man ja sehen kann, wie anregend ich es fand. Am Ende der Veranstaltung, die eigentlich eine Radiosendung ist, wird sie gar nicht signieren.
Sie liest zwei Auszüge und dazwischen gibt es interessante Fragen und Gedanken zum Buch von zwei namhaften KritikerInnen und einer Autorin. Nach der Veranstaltung verlasse ich schnell den Saal, weil es schon spät ist und der Weg zurück vom Wannsee weit und ich zudem wie schon im Vorfeld von dem Gedanken erfasst werde, dass U da sein könnte, womöglich auch noch mit Freunden oder seiner Freundin oder gar Dorothee Ellmiger selbst seine neue Freundin sein könnte, denn sie ist ja aus der Schweiz und passt auch sonst krass ins Beuteschema.
Ihre Geschichte besteht aus Geschichten und entwickelt eine atmosphärische, existentielle Düsternis, die ich in vielen aktuellen Produktionen wahrnehme (Sirat, In die Sonne schauen, Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald). Die Frauen in Die Holländerinnen bewegen sich sehr selbstverständlich durch die Welt, als gingen sie davon aus, sie könnten sich dort bewegen und aufhalten und gehörten überallhin. Sie sagen zu, allein auf eine Herde Schafe aufzupassen. Sie nehmen den mühsamen Weg in einen Dschungel auf sich und begeben sich auf eine Wanderung bei der sie leicht in Gefahr geraten können. Es ist nicht so, dass alles klappt, was sie da machen, aber sie begeben sich auf eine wie mir scheint männliche Weise in diese Situationen, also ohne sich mit Bedenken oder Irritationen aufzuhalten. Sie scheinen keine Angst zu haben und dementsprechend nicht einmal Mut zu brauchen. Und doch erzählen die Geschichte und viele der Geschichten in der Geschichte, von der Gewalt in der Frauen leben.
Zuhause schaue ich mir ihr Foto auf der Zeit-Sonderausgabe an, ihr Gesicht scheint mir von einem klaren, klugen Menschen zu erzählen, der Mut hat.
Ich muss an das denken, was U gesagt hat über seinen Eindruck von den Schweizern. Endlich mal Menschen ohne diese ganzen historischen Belastungen wie in Deutschland immer, oder in Polen.
Ich wäre so gerne zusammen mit ihm zu dieser Lesung gegangen.
Das dringende Bedürfnis, den Verlauf zu speichern,
den Gedankenverlauf, den Leseverlauf, den Gefühlsverlauf, den Bewegungsverlauf, den Internetverlauf, den SocialMediaverlauf, den Konsumverlauf, den Caféverlauf, den Watchverlauf.
Der Verlauf scheint mir unendlich wichtig, als sei eine Wahrheit in ihm, ein Wissen, das nirgendwo sonst zu finden ist. Es macht mich verrückt, dass ich nicht track keepen kann über den Verlauf.
Wenn ihr wüsstet, denke ich.
Ihr müsst das doch wissen, denke ich.
Wie oft ich durch meine Wohnung gehe und diejenigen vor mir sehe, die sie ausräumen werden, den Transporter vor der Tür. Die nicht eine einzige Geschichte wissen, keine Liebe sehen, keinen Schmerz, keinen Gedanken. Das ist der Lauf der Dinge.
Der Verlauf hat keine Zeugen. (Außer den Tec-Companies)
Er geschieht im Geheimen.
In der Abgeschiedenheit.
verpanzerten jungen Frauen
mit ihren aufgespritzten Lippen, den stundenlangen Nägeln und dem megaharten Talk,
die Nina Chuba hören,
weil die so schön singt
über das Verletzlichsein.
Ich bin
ein performative male
im Körper einer performative woman.
Sollen wir dir was mitbringen? fragen die Freunde einer jungen Frau, die am Bahnhof auf einer Bank sitzt und beim Gepäck bleiben wird.
Nur ein bisschen Liebe und Glück, sagt sie.
Seid auf der Hut, die faken nur, warnt Tiktok. Sie tun, als würden sie lesen, sie tun, als hätten sie Gefühle. Am Ende kippen sie dir doch nur k.o.Tropfen ins Glas oder sind zumindest:
emotionally unavailable.
Es gibt ein Antidepressivum gegen die Depression und die Angst,
aber keins gegen das Unglücklichsein.
einen winzigen, kastenartigen Innenbalkon in einem heruntergekommenen Neubau, dicht an einer viel befahrenen Straße.
Auf dem Balkon installiert und gen Himmel ausgerichtet:
ein riesiges Teleskop.
Ich weiß ja nicht, was du willst, aber ich will Geld verdienen. Sagt C. nachdem er beschlossen hat, meine Idee an seiner Privatschule zu verkaufen.
Wie naiv bist du denn, das zahlen natürlich am Ende wir. Sagt A. über unseren Vermieter und die Reparatur der kaputten Heizung für die er laut Gesetz zuständig ist.
Du bist ja auch so ein Kulturhäschen. Sagt A. nachdem ich ihm von einer Ausstellung erzählt habe.
Kann ich dich mal penetrieren? Spricht A. mich von seinem Platz aus an, um mich um meine Meinung zu einem Bildaufbau zu fragen.
Mir fehlen die Worte, um zu sagen, wie sehr ihr mich ankotzt.
Vor mir auf der Straße gehen zwei junge Frauen, ich höre ihr Gespräch mit an. Es geht um die Alten, die überall sind, die alles bestimmen und gegen die man sich nicht wehren kann, weil sie, die Jungen, in der Minderheit sind.
Eine der Frauen von Pussy Riot erzählt in einem Artikel von einer der Aktionen der Gruppe. Damit hatten sie gegen die Sperrung von Telegram durch die russische Regierung protestiert. Der Besitzer, Pawel Durow, hatte sich geweigert, Chats an die Behörden weiterzugeben.
Pawel Durow hier also ein Freigeist, der sich gegen ein autoritäres Regime auflehnt, sein Messenger-Dienst eine zensurfreie Plattform für offenen Meinungsaustausch. Pawel Durow andererseits ein Angeklagter in Frankreich, das er nicht verlassen darf, weil er sich nicht an die Regulierungsauflagen für Social Media-Unternehmen hält, mit denen die EU versucht, die Verbreitung von Hass, Hetze, Rechtsextremismus, Gewalt, Kinderpornografie und Geschäften der organisierten Kriminalität einzudämmen.
So ist das mit der Freiheit und dem Aktivismus. Kontext is key.